Streety on Tour Bodensee – Ostsee 2014

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Als Frau selbst ein Motorrad fahren ist nicht selbstverständlich, klassischerweise fährt „sie“ als Sozia mit. Längere, gar mehrtägige Touren macht „sie“ eher selten. Da ist es schon etwas besonderes, sich als Frau allein auf eine Deutschlandtour zu begeben. Wie kam es dazu? Warum überhaupt? Welche Reaktionen erhält „frau“ auf einen solchen Plan?

Die Idee

Es ist Sommer und ich bin Strohwitwe. Remo ist mit seiner Tiger auf Tour durch Oberösterreich, ich sitze auf dem Balkon in der Sonne und lese die ersten Seiten der „Taiga-Tour“ von Doris Wiedemann. Remo hat mir das vor seinem Start in die Hand gedrückt.

Es geht um das Motorradfahren allein als Frau. Ich bin total fasziniert, verschlinge das Buch. Noch bemerke ich nicht, dass sich „etwas“ ganz weit hinten in meinem Kopf festsetzt und beginnt zu wachsen. Ich will los. Allein. Mit dem Motorrad von Süd nach Nord durch Deutschland, bis zur Ostseeküste.

Nach 3 Tagen habe ich das Buch durch, die nächsten Bücher von Doris Wiedemann sind schon bestellt und unterwegs. Wieder viel Lesematerial für die Abende auf dem Balkon. Ich nehme mit Doris Kontakt auf, fasse meine Gedanken erstmals in Worte und erhalte von ihr viel Zuspruch und Unterstützung. Ich bin von mir selbst überrascht.

Langsam wächst die Idee in mir. Kaum merklich geistert sie jeden Tag durch meinen Kopf. Ohne es auszusprechen beschäftigt mich die „verrückte Idee“ ununterbrochen. Das gebe ich allerdings nie zu. Wobei – ich finde die Idee gar nicht verrückt. Die Fortbewegung per Motorrad finde ich normal, wenn auch nicht unbedingt alltäglich. Auf mich hat es eine entspannende, sogar befreiende Wirkung.

Es geht auf Weihnachten zu und ich habe noch ne Menge Urlaubstage vom Vorjahr über. Klingt verlockend, drei Wochen Urlaub am Stück und dann wirklich hoch in den Norden, in meine alte Heimat?  Verrückte Idee als Mama und Ehefrau, aber wieso eigentlich nicht? Mein Mann schafft das sicher und Sohnemann ist auch bald 10 Jahre alt. Der Gedanke wird immer realistischer und somit schau ich mich nach ordentlichen Landkarten und Navis um, weil ich bisher immer nur in unmittelbarer Umgebung biken war. Die Unterstützung von Remo habe ich jedenfalls schonmal.

So, nun ist es fix, im Mai drei Wochen Urlaub, frei von Arbeit und sonstigen Terminen. Es beginnt das Planen und Organisieren und Besorgen, was man(frau) denn alles so braucht. Und frau braucht ja (laut mann) recht viel. Warten wir’s ab…

Dann und wann erzähle ich jemandem von meinem Plan. Die Reaktionen sind erstaunlich unterschiedlich. Einige sind ähnlich begeistert wie ich selbst, oft aber höre ich „das geht doch nicht“, „was soll aus deinem Kind werden“, „wie kann man nur“ und ähnliches. Warum also mache ich die Tour? In 10 Jahren Hausfrau und 24h pro Tag Mutter sein habe ich auf alles verzichtet, mich und meine Bedürfnisse allem anderen untergeordnet. Nun ist es auch einmal Zeit für mich und die Zeit ist reif für etwas ungewöhnliches, besonderes und – ja, vielleicht – Verrücktes. Wobei ich bislang nicht verstehe, warum es verrückt sein sollte, seine Eltern zu besuchen und dafür einmal quer (oder vielmehr längs) durch Deutschland zu fahren. Das Fortbewegungsmittel sollte dabei doch keine Rolle spielen, oder?

Tom steht als erster Fixpunkt  fest, denn ohne ihn geht nichts ;-). Es wäre sonst einfach zu weit ohne Rast in den Norden, somit werde ich in der Nähe von Nürnberg die erste Übernachtung nach knapp 350 km einplanen. Weiter soll es nach Luckenwalde gehen, dort leben Verwandte von mir, die ich z.T. seit über 10 Jahren nicht mehr gesehen habe. Ich freue mich auf den Besuch dort, habe viele Kindheitserinnerungen an diese Zeit. Und dann zu meinen Eltern. Es soll eine Überraschung werden. Bin gespannt, ob alle dicht halten.

Beim Schreiben denke ich gerade an meine Mama, die in der Schulzeit mir immer meine Hausaufsätze geschrieben hat. Es war nervig, am Abend 8 Seiten abzuschreiben, aber es hat immer eine 1 gegeben. „Danke Mama“

Die Vorbereitungen

Remo, Tom und Tomie haben für ihre Tiger tolle Koffersysteme. Sieht gut aus. Aber sowas an einer Streety? Sorry Jungs, das geht gar nicht!!!

Somit durchstöbere ich alle möglichen Kataloge auf der Suche nach einem brauchbaren Gepäcksystem, fahre in alle umliegenden Geschäfte und schau nach einer absolut passenden Lösung für meine kleine lila Hexe.

Fündig geworden bin ich in Niedereschach, bei Touratech. Geniale Beratung, ohne das einem was aufgedrängt wird. Ich glaube, wir waren 3 mal in dem Laden (knapp 2 Autostunden von uns entfernt) und dann habe ich für mich und meine Streety das perfekte System gefunden.  Die Soziustasche „Travelbag“ in grau incl. der „Add Bag“ Tasche.  Sie kostet eigentlich ein kleines Vermögen von 440 Euro (und da sind die wasserdichten Innentaschen noch nicht dabei). Zum Glück hat mein Arbeitgeber zur rechten Zeit eine Sonderzahlung beschlossen.

Das Testpacken hat viel Spaß gemacht, es ist echt erstaunlich was Frau  einerseits alles mitnehmen will, aber andererseits was Frau auch alles auf kleinstem Raum verstauen kann. Somit habe ich neben meinem Schlafsack und den Klamotten auch kleine Geschenke  eingepackt. Nein, Schminkkoffer und Co brauche ich zum Glück nicht. Beim Friseur war ich noch gestern, so das ich eigentlich auch auf den Kamm verzichten könnte.

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Super, bisher läuft alles wie am Schnürchen. Verdächtig… und nun wartet das Navi auf mich. Ansich bin ich mit meinem TomTom schwer zufrieden. Es hat mich bisher immer dahingebracht, wo ich hinwollte. Aber es hat sich seine Strecke selbst ausgesucht. Nun will ich aber entscheiden, wo ich lang will, denn an so manchen Orten hängen einfach Erinnerungen, die ich auf meiner Tour gern wieder zum Leben erwecken will. Dank der ganzen Technik von heute kann man echt viel machen, aber auch das kostet Nerven und ist anstrengend. Immer und immer wieder sitze ich am PC, plane die Routen, und versuche sie im Navi zu speichern. Mein Navi will einfach anders…. Aber FRAU gibt nicht auf…

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Die Durchführung

Die Zeit verrinnt,  es ist verrückt…. Nun habe ich nur noch eine Woche. Heute ist Donnerstag der 01. Mai. Meine Touren habe ich soweit fix, auf dem Navi wie auch auf den Landkarten, welche mein Mann bei Tante Louise (Louis) gekauft hat. Gar nicht so leicht, alles gleichzeitig auf dem Navi und den Karten (als Notfall) einzuzeichnen.

Habe schon mit meinen Geschwistern telefoniert und sie in meinen Plan eingeweiht. Sie werden dafür sorgen, das meine Eltern nichts merken und sicher daheim sein werden. Ich freu mich schon auf ihre Gesichter. Das Wohnzimmer sieht aus wie beim Umzug, der Boden ist mit Taschen, Klamotten  und Utensilien übersät. Auf dem Tisch sind Karten ausgebreitet, der Laptop zeigt die jüngst erarbeitete Route. Ich glaube, ich bin nervös. Und aufgeregt. Unsicher? Erwartungsvoll! Verdammt, ich will LOS!! Ich brauche aber noch eine Woche Geduld. Tom habe ich schon 2 Mal angeschrieben und den Termin mit ihm abgesprochen. Ich glaube, er findet mich inzwischen kompliziert :)

Der Verlauf der Tour läßt sich unter Wind und Wetter nachlesen.

Kommentare

  1. liebe Antje, ich freue mich richtig für dich und wünsche dir eine Mega Tolle Tour :) Und vor allem super tolles Wetter :) fahr schön vorsichtig und geniesse es , denn es wird dich um einiges Reicher machen ! Ich freue mich schon auf deine Berichte :)
    *liebdrück* Steffi

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