Wind und Wetter Teil 3

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Teil 3 des Berichtes Streety on Tour 2014

Die Tagen fliegen viel zu schnell dahin. Der dritte und letzte Teil beschreibt meinen Weg zurück zum Bodensee.

Tag 8

Der Rückweg beginnt. Leider. Petrus meint es aber gut mit mir und ich bekomme einen sonnigen Tag geschenkt. Die Tagesetappe ist mit 210 km quasi ein Katzensprung, ich habe 4 Stunden Fahrt eingeplant. Das eröffnet mir die Möglichkeit, den Vormittag noch mit meinen Eltern zu verbringen. In der Nachbarschaft meiner Eltern gibt es ein kleines privates DDR- Museum. Als Ossi-Kind ist es für mich natürlich Pflicht, mir das anzuschauen und in alten Erinnerungen zu schwelgen. Meine Mutter organisiert kurzerhand eine private Führung durch die Schätze von damals. Ich bin fasziniert und fühle mich in der Zeit zurückversetzt: ein altes Klassenzimmer, eine Küche von damals, ebenso ein Wohnzimmer und eine Spielzeugecke, um nur mal so die großen Bereiche zu nennen. Daneben ganz viele kleine Dinge aus dem Alltag und dem Leben in der DDR, die ich schon fast vergessen habe, …. Und prompt finde ich da was aus meiner Kindheit wieder. Meine Eltern haben eine Puppe, einen Puppenwagen und einen Mantel von mir dem Museum zur Verfügung gestellt.  Mich freut es, meine Sachen in guten Händen zu wissen. Nach über 1 Stunde beenden wir unsere DDR- Zeitreise und wenden uns wieder der Gegenwart zu.

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Mein Vater ist seit Tagen damit beschäftigt, weitere Boxen für seine Kaninchen zu zimmern. Ich helfe ihm bei den letzten Arbeiten und bugsiere das schwere Konstrukt mit ihm zusammen in den Stall. Jeder Millimeter zählt, so brauchen wir am Ende sanfte Gewalt, bis die Boxen an ihrem Platz stehen.

Nach dem Mittag muss ich mich dann aber wirklich verabschieden. Das fällt mir nicht leicht, aufgrund der Entfernung sehe ich meine Eltern kaum mehr als 1 Mal im Jahr. Aber es hilft nichts. Für den Rückweg sind 3 Tage eingeplant und ich werde von meinen Männern daheim sicher schon sehnsüchtig erwartet. Ich habe nicht lange Zeit, diesen Gedanken nachzuhängen, Motorradfahren fordert meine ganze Aufmerksamkeit.

Endlich mal ein Tourtag, wie ich ihn mir gewünscht habe. Das Wetter ist geradezu hervorragend, und ich durchquere sehr schöne, interessante Landschaften. Schon bald kann ich am Horizont den markanten Brocken erkennen, der mich die restliche Zeit begleiten wird. Meine Route führt mich zunächst bei Dömitz über die Elbe, dann via Lüchow, Wolfsburg und Gosslar nach Bad Harzburg. Über die ganze Strecke hat das Wetter gehalten und ich werde bereits vor der Tür von meiner Schwester und meiner Nichte erwartet. Inzwischen ist es 5 und wir beginnen bald mit den Vorbereitungen für das Abendessen. Vorher punkte ich aber mit meinem gut verpackten Geschenk bei meiner Nichte. Der Abend ist gerettet ;)

Tag 9

Ich bin wieder sehr früh wach, am Himmel hängen dicke, graue Wolken. Äolus hat heute wohl wichtiges vor, es ist windstill. Richtung Süden spricht der Wetterfrosch von noch besserem Wetter und ich freue mich schon auf ein Wiedersehen mit Tom. Ich nehme mir wieder viel Zeit für das Frühstück und studiere gemeinsam mit meiner Schwester und Schwager die Karten. Sie leben schon länger hier im Harz und geben mir Tips, welche Strecken sich lohnen. Ein Klassiker für Motorradfahrer ist natürlich Torfhaus. Es handelt sich um eine kleine Ortschaft direkt an der B4, gleich 2 Kioske sorgen für das leibliche Wohl der Biker. Ich lasse es mir nicht nehmen, hier ebenfalls meine Aufwartung zu machen. Ich bin nicht allein mit dieser Idee, das gute Wetter hat schon viele Gleichgesinnte hergelockt. Es ist derart voll, dass ich beschließe hier nicht Halt zu machen.

Ich vertraue meinem Navi bei der Wahl der Routenführung. Zielsicher lenkt mich mein Navi von der B4 weg auf die Harz-Hochstraße. Eine wunderschöne Strecke zwischen Braunlage und Nordhausen. Die Harzquerbahn versetzt mir einen kurzen Schreck, als ich auf sie treffe. Die alte Dampflok stampft und schnauft, bläst riesige Rauchwolken in den Himmel und es wirkt, als brenne der Wald. In einem Dörfchen kurz vor Erfurt gönne ich mir eine Pause und die zweite Rostbratwurst der Tour.

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Warum mein Navi mich mitten durch die Innenstadt von Erfurt schickt, wird wohl ein Geheimnis bleiben. Weiter Richtung Suhl treffe ich auf den Rennsteig. Mein TomTom lenkt mich über kleinste Straßen Richtung Coburg und über die Porzellanstraße. Inzwischen ist es Nachmittag und ich komme auf der B4 in Richtung Bamberg schnell voran. Ich bin inzwischen ziemlich geschlaucht, denn die Tour war insbesondere im Harz und Thüringen sehr kurvenreich. Das fordert volle Konzentration. Für die letzten Kilometer wähle ich dann kleinste Straßen bis nach Forchheim. Es ist 18 Uhr und Tom ist von seinem Termin noch nicht wieder zurück. So nutze ich die Zeit zum abpacken und werde bei den Nachbarn auf ein Glas Wasser eingeladen.

Tom trifft bald ein und noch bevor ich mich von den Nachbarn verabschieden kann, hat er meine Streety perfekt eingeparkt. Es gibt einen weiteren Grillabend und vor lauter Verzweiflung über das üble Fernsehprogramm sehen wir uns das Spiel Bayern gegen Dortmund an. Als endlich das erste Tor fällt (nein, ich meine nicht das der Dortmunder) liege ich schon im Bett.

Tag 10

Am nächsten Morgen ist Tom vor mir wach. Bemerkenswert… ;)

Tom kümmert sich um das Frühstück und ich decke den Tisch. Gegen 10 breche ich auf und der Tourkreis schließt sich. Wind und Wetter haben mich wieder und ich versuche auf schnellstem Weg nach Hause zu kommen. Habe ich erwähnt, dass ich Autobahnfahrten mit dem Bike echt scheiße finde? Noch mehr im Regen. Alle halbe Stunde pausiere ich, mal braucht mein Geist Erholung von der Eintönigkeit, dann brauche ich etwas zu trinken, kurz darauf dann die unvermeidliche Pieselpause und das nächste Mal braucht die Streety Brennstoff. Je näher ich Österreich komme, desto weniger regnet es, in Bregenz strahlt dann die Sonne.

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Um 14.30 Uhr ist „Streety on Tour“ wieder daheim. Ich werde von meinen Männern schon auf der Straße erwartet und im Kühlschrank steht schon das obligatorische Tourabschlußbier kalt.

Was nehme ich von der Tour mit? Deutschland ist ein landschaftlich sehr schönes Land, vor allem wenn man sich abseits von großen Straßen und Städten aufhält.  Am liebsten wäre ich immer wieder stehengeblieben, um Fotos zu machen. Aber dann hätte ich weit mehr als nur 10 Tage einplanen müssen. Erwähnenswert sind auch die netten Gespräche mit fremden Menschen. An der Tanke, auf dem Rastplatz oder sogar an der Kreuzung. Als Frau auf einem Motorrad, dann auch noch mit einem ausländischen Kennzeichen, da stellen sich vielen Menschen so manche Fragen und nicht wenige haben mich einfach angesprochen und in interessante (Motorrad-)Gespräche verwickelt.  Auch traf ich immer wieder auf andere Biker, mit denen ich einige gemeinsame Kilometer gefahren bin. Auch ohne Worte verstanden wir uns.

Ich könnte gleich wieder los…

Weitere Bilder findet ihr hier

Kommentare

  1. Bettina meint

    Hallo Antje!

    Wusste gar nicht, dass du so toll schreiben kannst! Interessanter und auch amüsanter Bericht mit schönen Bildern. Hab zwar keine Ahnung wo genau du in Deutschland herumgekurvt bist, aber das Treffen von alten Bekannten und vor allem deiner Familie war – so glaube ich – das Schönste!

    Gratuliere zu deiner tollen Tour!

    Bettina

  2. Antje meint

    Hallo Bettina, freut mich, das dir mein Bericht gefällt. Ja das Schreiben, ich glaub das nennt man versteckte Talente ;-)
    Wobei ich viel von meinem Mann gelernt habe, was das Schreiben angeht, und er auch immer Korrektur liest und tolle Verbesserungsvorschläge hat.

    Ja, Deutschland ist groß und man muss sich schon etwas mit der Geographie des Landes beschäftigen. Aber solange ich mich auskenn und den Weg find….

    Liebe Grüße
    Antje

  3. Corina meint

    Hallo Antje,
    Ich gratuliere Dir zu der gemeisterten Tour und dem tollen Bericht darüber! Du erstaunst mich immer wieder, es ist sehr mutig, sich alleine auf so eine große Reise zu begeben und das über so lange Zeit!
    Toll geschrieben, Respekt!
    Lg Corina

  4. Antje meint

    Danke Corina. Ich war selber von mir überrascht, das ich das gemacht habe. Hat mir eine Riesenportion Selbstvertrauen gebracht.:-)

  5. Marion Pötter meint

    Hallo,
    habe mit Interesse und Spaß den Bericht komplett gelesen und kann das total gut nachvollziehen.Habe erst vor 2 Jahren mit 57 meinen Schein gemacht und bin dann 2 Wochen danach auf Deutschland-Tournee gegangen. Von Ulm über das Altmühltal, Magdeburg, Neustrelitz, Usedom, Wismar, den Darss, zurück über Schwerin, Ludwigslust, Magdeburg, über den Harz und Kassel wieder zurück. Über 3.000 km in 12 Tagen.
    Deshalb kann ich alles sehr gut nachempfinden und es war supertoll. Bin gut wieder angekommen, hatte aber im August 2012 mehr Glück mit dem Wetter.
    Das war eine tolle Erfahrung und ich kann es wirklich Jedem (r) empfehlen, der/die den Wunsch hat, so etwas zu unternehmen.
    Es hat mein Leben absolut bereichert und ich werde diese erste Tour ganz alleine nie vergessen. Auch wenn mich jeder für verrückt erklärt hatte mit knappen 1000 km Fahrerfahrung.
    Aber die bekommt man eben nur beim Fahren.
    Super Bericht, habe mich sehr gefreut und in eigenen Erinnerungen geschwelgt.
    Jetzt habe ich bis zim Frühjahr noch mehr Entzugserscheinungen.
    Bugsy

  6. Hallo Marion, danke für Deinen Kommentar. Mit 57 den Schein gemacht, ich bewundere Dich. Hut ab!
    Ja, solche Touren und Erlebnisse sind schon was ganz besonderes. Ich möchte sie nicht missen. Derzeit schaue mir öfters meine Fotos an, um einigermaßen gut über den Winter zu kommen. Sobald der Frühling aber da ist…..
    Dir alles Liebe und weiterhin gute Fahrt
    Antje

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